Wir leben in einer Zeit, in der wir immer mehr Unterhaltung und Informationen aus dem Internet beziehen. Die gängigen Medien wie Rundfunk und Print verlieren dabei besonders in den jüngeren Generationen zunehmend an Boden. Diese Entwicklungen haben eine neue Art von Content-Gestaltern hervorgebracht, die ihre Inhalte ausschließlich über Blogs, Social-Media-Plattformen oder andere Freemium-Dienste verbreiten. Das Spektrum der Inhalte ist endlos: Journalismus, Podcasts, Comedy, Rezepte, Let’s Plays und so weiter.

Für viele der Gestalter ist diese Arbeit ein Hobby, welches sich auf die Freizeit beschränkt. Oft nimmt dieses Hobby, nimmt die Nachfrage nach Inhalten jedoch Ausmaße an, dass sich der Schritt zur Neben- oder sogar Hauptbeschäftigung anbietet. Die Personen oder Personengruppen fungieren allerdings oft unabhängig von kostenpflichtigen Online-Diensten wie Netflix, audible, etc. Da ihr Content also gratis im Netz verfügbar ist und sich eine ausreichende Vergütung beispielsweise über YouTube oft als schwierig erweist, muss der Arbeit Lohn von einer anderen Quelle kommen.


Hier kommen die sogenannten Crowdfunding-Dienste ins Spiel. Im Grunde funktionieren diese alle auf die selbe Weise: Für ein bestimmtes Vorhaben wird Geld von interessierten Benutzern gesammelt, die für ihre Spenden vorab festgelegte Gegenleistungen erwarten dürfen. So wurden in den letzten Jahren eine Vielzahl von Produkten und Dienstleistungen geschaffen. Die Zahlungsempfänger profitieren dabei insofern, als das sie nicht an limitierte Bankkredite oder Gelder von großen Unternehmen gebunden sind, die den Gestaltungsprozess hindern. Die privaten Geldgeber hingegen erfreuen sich an festgelegten Gegenleistungen sowie dem Gefühl, Teil eines Schaffungsprozesses zu sein, an dem sie interessiert sind und von dessen Ergebnis sie eventuell profitieren.

Während beispielsweise Kickstarter und Indiegogo sich immer an einem konkreten Vorhaben oder einer bestimmten Idee orientieren, erschien mit patreon eine Neuerung im Crowdfunding-Sortiment. Über ein ähnliches System werden nun regelmäßige Zuwendungen von den Rezipienten gesammelt, die monatlich – quasi als Gehalt – an die Kreativen fließen. Per Kreditkarte oder PayPal legen die „Patronen“ (das sind die Geldgeber) ihre persönliche Beitragshöhe fest. Von einem solidarischen Einstiegsbetrag von 1$ bis hin zu mehreren 100$ pro Monat oder neuem Song, Podcast, Kapitel,etc. Die unterschiedlichen Höhen bringen gewisse Gegenleistungen seitens der dankbaren Zahlungsempfänger mit sich, zum Beispiel persönliche Nachrichten, Gitarrenunterricht oder signierte Geschenke. Die Kündigung eines Abos ist jederzeit möglich.

Auch die Gestalter selber profitieren von dieser Art der Unterstützung. Sie können ihre Inhalte weiterhin kostenfrei anbieten und müssen sich nicht mit Werbedeals an Unternehmen binden. Dieses Problem kann zunehmend bei YouTubern beobachtet werden, die aufgrund von Verträgen mit Werbepartnern Authentizität einbüßen. Zuschauer, die diese Glaubhaftigkeit schätzen, drohen daraufhin abzuwandern.

Der Anbieter patreon selbst profitiert, indem er bis zu 5% derTransaktionen für sich behält, sowie das Recht, alle Inhalte für seine eigenen Werbezwecke zu nutzen.


Ist nun also patreon der Schutzherr als welchen es sich vermarktet? Nein, denn das sind wir selbst! Aus dem schier endlosen Angebot von Inhalten suchen wir uns die Teile, die uns am ehesten zusagen und haben nun die Möglichkeit sie direkt zu unterstützen. Was im realen Leben selbstverständlich ist, weitet sich damit auf das Online-Entertainment aus. Die wichtigste Gegenleistung für die Rezipienten ist dabei die Authentizität der Gestalter, die sie mit genügend Zuwendungen wahren können.