YouTube Rewind – ein Kommentar

In diesen Tagen feiert sich das weltweit größte Videoportal mit Schirmherr Google wieder mit einem Rewind-Video, also einem Rückblick auf das Jahr 2016. Das zweite Mal in Folge tänzeln dabei fröhlich bunte YouTube Stars durch die eine künstliche Welt aus Challenges, Let’s Plays , und Choreographien zu den Club Hits des Jahres. In 5 Minuten und gefühlten 1000 Schnitten wird auf nichts verzichtet, außer vielleicht Authentizität.

Dieses Freudenfest der Selbstinszenierung nehme ich gerne als Anlass, um die neueren Entwicklungen des Unternehmens genauer zu betrachten.

Dass wir von einem erfolgreichen Wirtschaftsunternehmen mit jährlichen Einnahmen von mehreren Milliarden Dollar sprechen gehört schon längst zum Allgemeinwissen. Aber wie kommen wirtschaftlicher Erfolg und der Community-Gedanken der Plattform zusammen? Die Suche nach einer Antwort beginnt mit einem Blick in die Geschichte des Streamingdienstes.

2005 gegründet, wächst YouTube nicht schnell genug und auch die Möglichkeit zur Monetarisierung ab Mitte 2006 kann die Defizite nicht wettmachen. Google erkennt, welches Potential die Plattform mithilfe der eigenen Kooperationen und Videos entfalten kann und entscheidet sich zu seiner bis dato teuersten Akquisition über 1,3 Milliarden Euro in Aktien und  kann sich gegen seinen Konkurrenten Yahoo! durchsetzen. Von da an steigen die Einnahmen stetig, ebenso die Anzahl der regelmäßigen Zuschauer und Broadcaster (so hießen die YouTuber damals).

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Quelle der Grafiken: Waybackmachine


Heute bietet YouTube ein vielfältiges Angebot für seine Zuschauer und Geschäftskunden. Es bietet die Möglichkeit, sich mit einem eigenen Channel einen Namen zu machen und Teil dieser großen Community zu werden – ein scheinbar erstrebenswertes Ziel besonders für junge Konsumenten. Aufgrund dieser jungen Zielgruppe hat die Vernetzung von Werbung und Content in den letzten Monaten zu viel Kritik an dem Unternehmen, vielmehr aber an einzelnen YouTubern, geführt. In seiner Rubrik „Eier aus Stahl“ durchleuchtet Jan Böhmermann zum Beispiel die Werbestrategien des YouTube-Channels „BibisBeautyPalace“, der sich gezielt an eine junge, weibliche Zielgruppe richtet.

Auch wenn viele Künstler auf der Plattform mit Mühe versuchen, den Community-Charakter zumindest innerhalb ihrer Fanbase aufrecht zu erhalten, wird doch immer deutlicher, dass sich insbesondere die erfolgreichen Channels wie auch das gesamte Unternehmen zu einer reinen Profitmaschine entwickeln.

Besonders deutlich wird diese Wandlung wenn man das kostenpflichtige Streaming-Abo YouTube Red zu der Betrachtung hinzuzieht. 2014 als Music Key gelauncht wurde der Dienst Ende 2015 unter seinem heutigen Namen auf alle Videos ausgeweitet. Das Angebot bietet werbefreien Zugang zu allen Videos der Plattform sowie exklusiven Inhalten, die in Kooperation mit erfolgreichen Channels von YouTube selber produziert wurden, die YouTube Red Originals. Noch ist der Dienst in Europa nicht verfügbar, er zeigt jedoch wo die Ambitionen der Plattform liegen: Nämlich in der Förderung der erfolgreichsten und damit profitträchtigsten Channels und der Abkehr vom Community Gedanken, indem jedem Künstler dieselbe Chance zum Erstellen von Content gegeben ist.

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3 Kommentare

  1. Schöner Artikel. Was sagst Du denn dazu, dass immer mehr große YouTuber ihre Channels schließen wollen, weil Sie nicht mehr mit den Algorithmen und der Verbreitung ihrer Videos einverstanden sind?
    PewDiePie, der größte YouTube Channel, hatte ja angekündigt bei 50Millionen Abonnenten seinen Account zu löschen. (Gestern hat er die Marke durchbrochen, aber der Channel besteht noch…)

    • Die Entwicklung speziell auf PewDiePies Channel habe ich mitverfolgt und bin auch fest davon ausgegangen, dass er sein Wort hält. Wie sich vor einigen Minuten rausgestellt hat, war’s nur ein Gag:
      https://www.youtube.com/watch?v=Y39LE5ZoKjw

      Große Channels mit etablierter Fanbase leiden meiner Meinung nach wenig unter den intransparenten Änderungen von YouTube. Kreative mit einer geringen Anzahl von Abonennten und weniger wirtschaftlich ausgelegten Inhalten (ohne Clickbait und mit geringer Videofrequenz) haben es hingegen besonders schwer ein größeres Publikum zu erreichen. Das führt dazu, dass qualitativ hochwertige Inhalte immer seltener werden.

  2. Der Youtuber MatPat hat gestern ein Video veröffentlicht, indem er versucht, die undurchsichtigen Änderungen im Algorithmus von YouTube nachzuvollziehen.

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