Mit seinem zweiten Film „Nocturnal Animals“ inszeniert der Modedesigner Tom Ford einen Psychothriller, der unter die Haut geht. Rache ist das zentrale Thema dieses Films, der sich auf drei verschiedenen Handlungsebenen abspielt, die geschickt ineinander verzahnt sind.

Die Rahmenhandlung erzählt von der Galeriebesitzerin Susan (Amy Adams), die mit ihrem zweiten Ehemann über den Dächern von Los Angeles lebt. Obwohl sie zur High Society gehört, ist sie nicht zufrieden, weder mit ihrer Ehe noch mit ihrem Leben. In einem eiskalten Luxusbau wohnend ist Susan von nichts als Leere und grotesker Kunst umgeben und findet Nachts keinen Schlaf. Eines Tages erhält sie ein Romanmanuskript ihres Ex-Mannes Edward (Jake Gyllenhaal) mit dem Titel „Nocturnal Animal“, jenem Spitznamen, den Edward der nachtaktiven Susan verpasst hat, sowie einer Widmung für sie. Susan beginnt das Manuskript zu lesen und kann sich seinem Sog trotz der abstoßenden Grausamkeit nicht entziehen. Grund dafür ist, dass der Roman offenbar eine Geschichte von ihr und Edward erzählt, die zwar so nicht passiert ist, aber so hätte passieren können.

Sobald die unglückliche Protagonistin das Manuskript aufschlägt, läuft der Film auf drei verschiedenen Handlungsebenen ab: Die erste Ebene bildet weiterhin die Rahmenhandlung, in der die Susan der Gegenwart in ihrem einsamen Haus sitzt und das Manuskript liest, das sie gleichzeitig fesselt und anwidert. Die zweite Ebene erzählt die Vergangenheit von Susan und Edward, an welche sie sich immer dann erinnert, wenn sie das Buch zur Seite legt. Der Roman selbst, der vor Susans innerem Auge abläuft, bildet die dritte und zugleich eindrucksvollste Ebene.

Der nervenaufreibende und brutale Roman erzählt die Geschichte von Tony Hastings, der mit seiner Frau und seiner Tochter nachts mit dem Auto durch Texas fährt. Auf einer einsamen Landstraße geraten sie in die Fänge eines kaltblütigen Trios.

Sowohl Susan, als auch die Zuschauer verstehen das Manuskript schnell als Rachefantasie Edwards, zeigt doch Tonys Frau mit ihren roten Haaren starke Ähnlichkeit zu Susan. Tony selbst wird sogar vom gleichen Schauspieler wie Edward gespielt.

Ford verbindet die verschiedenen Bewusstseinsebenen Susans geschickt miteinander, grenzt sie aber auch durch unterschiedliche Farbgebungen clever voneinander ab. Während in der Kunstwelt von L.A. kalte Farben dominieren, überwiegen in den Texas Szenen warme Brauntöne. Auch die schauspielerischen Leistungen sowohl der Protagonisten als auch der Nebendarsteller verdienen Rehspeckt. Alles in allem ein rätselhafter, mitreißender und gut durchdachter, kunstvoll inszenierter Thriller, den man gesehen haben sollte.